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E-Banking

Wie Geld entsteht – und was es begrenzt

April 2026

Von Jonas Ackermann

Ausgehend von der Frage, wie Banken kurzfristig verfügbare Gelder mit langfristigen Finanzierungsbedürfnissen verbinden, beleuchtet Jonas Ackermann die Geldschöpfung und schliesst dabei an die Arbeit von Jean-Marc Decressonnière an «Vom Werden und Vergehen des Geldes»

Im Bankalltag entsteht Geld nicht unmittelbar aus zuvor gesammelten Einlagen. Vielmehr wird neues Geld in dem Moment verfügbar, in dem ein Kredit zugesagt und ausbezahlt wird. Der vereinbarte Betrag wird dem Konto der Kreditnehmenden gutgeschrieben und kann für Zahlungen verwendet werden. Dieses Geld war zuvor nicht vorhanden, sondern entsteht mit der Kreditvergabe. 

Ein einfaches Beispiel: Ein landwirtschaftlicher Betrieb finanziert die Anschaffung neuer Maschinen über einen Kredit der Freien Gemeinschaftsbank. Mit der Auszahlung wird der Kreditbetrag dem Betriebskonto gutgeschrieben. Ab diesem Zeitpunkt können Lieferant:innen bezahlt, Löhne überwiesen oder Investitionen vorgenommen werden. Das dafür verwendete Geld stammt nicht aus einer Umbuchung von einem anderen Kundenkonto, sondern entsteht durch die Kreditvergabe selbst. Dabei gilt: Mit diesem Geld ist stets auch eine Verpflichtung verbunden. Der Kredit ist über die vereinbarte Laufzeit zurückzuführen. Geld entsteht somit nicht frei, sondern nur dort, wo ein Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist und die Rückzahlung realistisch erscheint. Geldschöpfung ist damit kein Selbstzweck, sondern an Verantwortung und Vertrauen gebunden.

Zahlungsfähigkeit als Voraussetzung
Sobald das geschaffene Geld eingesetzt wird, zeigt sich eine weitere Ebene. Zahlungen werden über das Bankensystem abgewickelt und reichen dabei oft über die eigene Bank hinaus. Damit Überweisungen zuverlässig ausgeführt werden können, muss eine Bank jederzeit in der Lage sein, ihre Zu- und Abflüsse auszugleichen und über ausreichend liquide Mittel zu verfügen. Daran wird deutlich: Auch wenn Geld durch Kreditvergabe entsteht, kann es nicht beliebig genutzt werden. Entscheidend ist, dass die Bank ihre Zahlungsfähigkeit jederzeit sicherstellt. Geldschöpfung und Liquiditätssteuerung stehen deshalb in einem engen Zusammenhang.

Einlagen als stabilisierender Faktor
In diesem Gefüge kommt den Kundeneinlagen eine wichtige Rolle zu. Sie dienen nicht als direkte Quelleeinzelner Kredite, sondern tragen zur Stabilität es gesamten Systems bei. Werden Gelder bewusst angelegt oder für eine gewisse Zeit gebunden, entsteht Planungssicherheit. Diese wiederum ermöglicht es der Bank, Zahlungsvorgänge auszugleichen und längerfristige Finanzierungen aufrechtzuerhalten. Gerade für eine kleine Bank ist dieses Zusammenspiel  zentral: Geld kann zwar durch Kreditvergabe entstehen, bleibt aber nur dann wirksam, wenn genügend Stabilität vorhanden ist, um seine Verwendung im Zahlungsverkehr jederzeit abzusichern. 

Rückführung und Kreislauf 
Mit der Rückzahlung eines Kredits verschwindet das zuvor geschaffene Geld wieder aus dem Umlauf. Der Kreislauf schliesst sich. Geld wird geschaffen, um wirtschaftliche Aktivitäten zu ermöglichen, und wieder zurückgeführt, wenn die zugrunde liegende Verpflichtung erfüllt ist. Bei der Freien Gemeinschaftsbank ist dieser Prozess Teil der täglichen Arbeit. Jede Kreditentscheidung eröffnet Handlungsspielräume in der Realwirtschaft und
bringt Verantwortung für deren Wirkung mit sich. Geld ist dabei kein neutraler Rechenwert, sondern ein Mittel, das reale Entwicklungen ermöglicht und beeinflusst. So zeigt sich: Geld entsteht nicht allein durch Sparen – und es fliesst auch nicht unbegrenzt. Es bewegt sich stets im Spannungsfeld zwischen Verfügbarkeit und Verpflichtung, getragen von Menschen, die bewusst Verantwortung übernehmen, indem sie Geld anvertrauen, einsetzen und zurückführen.