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«Auf Herzenshöhe» – Werkheim Neuschwende 

April 2024

Von Hildegard Backhaus Vink

Vor über 50 Jahren wurde die heilpädagogische Einrichtung Werkheim Neuschwende in Trogen gegründet. Einst als Elterninitiative mit familiärer Struktur aufgebaut, leben und arbeiten heute 35 Bewohner:innen hier, betreut von 55 Mitarbeitenden. Die Freie Gemeinschaftsbank hat eine Hypothek des Werkheims Neuschwende für zwei Neubauten abgelöst.

Die fünf imposanten Appenzeller Häuser begrüssen uns von der Strasse aus, als wir an einem kalten Tag aus dem Taxi steigen. Etwas zurückliegend behaupten sich zwei grosse rote Neubauten im streng geometrischen Stil. Dazwischen öffnet sich ein interner «Dorfplatz» als Treffpunkt, zugleich Aufführungsort für künstlerische Anlässe. Dejan Suvajac, Bewohner im Haus Morgenröte, hat schon auf uns gewartet. «Sprichst Du griechisch? » möchte er von mir wissen. «Yia sas – hallo!» sprudelt es aus ihm heraus. Dejans Lieblingsbeschäftigung – neben seiner Arbeit in der Holzwerkstatt – sind Sprachen, die er sich selbst beibringt. Früher hat er auch gern im Telefonbuch gelesen, aber die tel.search-App macht ihm nicht mehr so viel Freude. Sein Gedächtnis für Namen und Fakten ist enorm, weshalb er in unserem Gespräch eine grosse Stütze ist.

Leben in Wohngruppen 
Dejan Suvajac lebt wie die anderen Bewohner:innen in einer Wohngruppe in seinem eigenen Zimmer in einem der alten Appenzeller Häuser. Morgens bereiten die Wohngruppen das Frühstück selbständig zu, abends holen sie sich die Mahlzeiten aus der Küche und essen gemeinsam. Das Mittagessen nehmen sie mit allen anderen im grossen Speisesaal ein. Einmal pro Woche findet eine Wohngruppen-Sitzung statt. «Dann verteilen wir die Ämtli, wie z. B. Essen holen oder die Spülmaschine einräumen», erklärt uns Dejan Suvajac. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter des Werk-«Auf Herzenshöhe» Werkheim Neuschwende Vor 50 Jahren wurde die heilpädagogische Einrichtung Werkheim Neuschwende in Trogen gegründet. Einst als Elterninitiative mit familiärer Struktur aufgebaut, leben und arbeiten heute 35 Bewohner:innen hier, betreut von 55 Mitarbeitenden. Die Freie Gemeinschaftsbank hat eine Hypothek des Werkheims Neuschwende für zwei Neubauten abgelöst. Hildegard Backhaus Vink heims ist jeden Tag anwesend und begleitet die Wohngruppe, «so viel wie nötig und so wenig wie möglich», erläutert Heimleiter Andreas Hemetsberger.

Selbständigkeit und Befähigung 
Grösstmögliche Selbständigkeit und Befähigung der Bewohner:innen haben oberste Priorität im Werkheim Neuschwende. So können sie sich in «Peer-Beratung» ausbilden lassen, um andere zu unterstützen. Ziel ist, die Bewohner:innen zu befähigen, sich in vielen Alltagsfragen gegenseitig helfen zu können. «Eine Begleitung durch die Mitarbeitenden ist dennoch unverzichtbar. Das Gefühl von Sicherheit, Stabilität und Struktur ist für unsere Bewohner:innen extrem wichtig. Auch müssen wir manchmal Grenzen aufzeigen», sagt Andreas Hemetsberger. «Es gilt immer abzuwägen, wie viel Begleitung jemand braucht und wie viel Selbständigkeit möglich ist.» Das macht die Betreuung aufwändiger, aber auch individueller. «Wir organisieren nicht etwas für die Bewohner:innen, sondern wir entwickeln etwas aus ihren Bedürfnissen heraus», beschreibt Andreas Hemetsberger den Ansatz «Wir begegnen ihnen auf Augenhöhe oder besser gesagt: auf Herzenshöhe. Und wir bieten ihnen einen Rahmen, in dem sie ihr Leben – so gut es geht – selbst gestalten können.» Auch Partnerschaften gibt es in den Wohngruppen, vor kurzem hat ein Paar geheiratet.

Altwerden in der Neuschwende
Im Laufe der Jahre sind die Bewohner:innen älter geworden. Neue Fragen tauchen auf: Wie gestaltet sich die Zeit nach der Pensionierung? Sind die Wohnungen altersgerecht? «Wir haben vielfältige Kooperationen mit den beiden umliegenden Pflegeheimen», berichtet Andreas Hemetsberger. «Unsere Bewohner:innen können dort zum Jassen hingehen und auch an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen». Noch wichtiger aber ist die Schaffung von altersgerechtem Wohnraum. Mit der Erweiterung des Gebäude-Ensembles durch die beiden Neubauten 2015/2016 ist ein erster Schritt getan. Nun steht die Sanierung und behutsame Modernisierung der denkmalgeschützten Appenzeller Häuser an. Es sollen grössere Räume mit modernen Sanitäranlagen entstehen und auch ein Laden mit kleinem Café, der für eine weitere Öffnung nach «aussen» sorgen soll. «Für dieses umfangreiche Sanierungsprojekt sind wir vor allem auf Spenden angewiesen», betont Andreas Hemetsberger und hofft auf grossen Zuspruch, zumal der Verein Werkheim Neuschwende gemeinnützig anerkannt und die Spende damit steuerbefreit ist.

Menschenwürde und Arbeit
Grundlage der Arbeit im Werkheim Neuschwende ist das anthroposophische Menschenverständnis: der Mensch mit seinem geistigen Wesenskern, dem Ich, das ungeachtet aller Behinderungen unversehrt ist und ihm seine Würde verleiht. Arbeit wird nicht als Beschäftigungstherapie, sondern als sinnstiftende und individuelle Tätigkeit der oder des Einzelnen für die Gemeinschaft verstanden. Von Anfang an wurde im Werkheim Neuschwende viel Wert auf qualitativ hochwertige und ästhetische Produkte gelegt. Am jährlichen Trogener Adventsmarkt erfreuen sich die Bienenwachskerzen, Holzarbeiten und gewebten extilien grosser Beliebtheit. Im vorletzten Jahr hat Dejan Suvajac dort sogar den Trogener Kunstpreis verliehen bekommen – für seine künstlerischen, kleinen Holzscheite mit guten Wünschen oder bösen Flüchen. «Die kann man als Anzündholz verbrennen und damit hinter sich lassen», schmunzelt Andreas Hemetsberger zum Abschluss.

Erklärt: Werkheim Neuschwende

1974 sind Eltern auf der Suche nach einem Lebensplatz für ihre schulentlassenen Kinder mit kognitiver Behinderung und finden die fünf Appenzeller Häuser in Trogen. In den Anfangsjahren leben die Heimleiterfamilie und die meisten Mitarbeitenden zusammen mit den Bewohner:innen in einer Camphill-ähnlichen Gemeinschaft. Mit viel Idealismus teilen sie alles und machen alles gemeinsam.

Im Laufe der Zeit wächst die Gemeinschaft, die Bewohner:innen und Mitarbeitenden entwickeln neue Bedürfnisse. Geregelte Arbeitszeiten, ein Lohnsystem und Pikettdienst werden für die Mitarbeitenden eingeführt. Sie wohnen jetzt ausserhalb des Werkheims. Die Bewohner:innen erhalten vielfältige Arbeitsmöglichkeiten: in der Holzwerkstatt, Weberei, der biologisch-dynamisch geführten Gärtnerei, Küche und im Werkatelier.

Nach und nach tritt die Gemeinschaft zugunsten der einzelnen Gruppen in den Hintergrund. Zahlreiche Weiterbildungen, Projektgruppen und kulturelle Veranstaltungen werden angeboten. Ab 2010 wird der Ganzjahresbetrieb eingeführt. Seit 2020 können externe Lernende die sogenannte «Praktische Ausbildung» nach INSOS Schweizerischer Verband für Menschen mit Behinderung) absolvieren.