Von Jonas Ackermann
Nach der Veröffentlichung unseres Geschäftsberichts wurde uns von einem Genossenschaftsmitglied die Frage gestellt, wo genau unser Eigenkapital liege und wozu es verwendet werde. Diese Frage nehmen wir gerne auf.
Eigenkapital ist für jede Bank eine zentrale Grösse. Es zeigt, wie widerstandsfähig eine Bank ist, wie viel Risiko sie tragen kann und welchen Spielraum sie für ihre weitere Entwicklung hat.
Per 31. Dezember 2025 verfügte die Freie Gemeinschaftsbank über anrechenbare Eigenmittel von rund 30 Millionen Franken. Davon entfielen knapp 29 Millionen Franken auf das sogenannte «harte Kernkapital», also auf den qualitativ stärksten Eigenmittelbestandteil einer Bank. Dieses harte Kernkapital setzt sich im Wesentlichen aus dem Genossenschafts- und dem Beteiligungskapital sowie aus Reserven zusammen, die aus den Gewinnen früherer Geschäftsjahre gebildet wurden.
Doch was bedeutet das eigentlich? Was macht eine Bank mit diesem Eigenkapital? Liegt es einfach als Reserve irgendwo bereit oder ist es Teil des laufenden Bankbetriebs? Und warum ist es für eine Bank so wichtig, über genügend Eigenkapital zu verfügen?
Eigenkapital als Teil der Bankbilanz
Im Alltag stellen wir uns Kapital oft als Geld vor, das irgendwo bereit liegt. Ein Blick in die Bilanz zeigt jedoch ein anderes Bild.
Eine Bilanz besteht immer aus zwei Seiten: Aktivseite und Passivseite. Auf der Aktivseite ist ersichtlich, wie die Mittel der Bank verwendet werden, unter anderem als flüssige Mittel zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs oder als Kredit an unsere Kund:innen. Auf der Passivseite zeigt sich, woher diese Mittel stammen. Dazu gehören vor allem die Einlagen unserer Kund:innen sowie das eigene Kapital der Bank. Eigenkapital ist somit eine Grösse, die nicht beschreibt, wo Geld liegt, sondern woher ein Teil der Mittel stammt, die auf der Aktivseite verwendet werden und mit denen die Bank ihre Tätigkeit finanziert.
Eigenkapital ist nicht einem einzelnen Kredit, einem bestimmten Konto oder einer einzelnen Bilanzposition zugeordnet. Vielmehr trägt es die Bankbilanz als Ganzes mit und bildet eine finanzielle Grundlage für die Tätigkeit der Bank. Anders gesagt: Es ist der Teil der Finanzierung, der nicht geliehen oder anvertraut ist, sondern dauerhaft in der Bank verbleibt und der Bank selbst gehört.
Warum Eigenkapital zentral ist
Eigenkapital erfüllt bei einer Bank mehrere Aufgaben. Es bildet die Grundlage dafür, dass die Bank langfristige Finanzierungen eingehen kann, insbesondere im Kreditgeschäft. Wenn die Bank Kredite vergibt, begleitet sie ihre Kund:innen oft über viele Jahre. Auch bei sorgfältiger Prüfung kann sich die wirtschaftliche Lage einer Kundin oder eines Kunden verändern, ein Projekt anders verlaufen als geplant oder Kund:innen ihren Kreditverpflichtungen nicht mehr vollständig nachkommen. Eigenkapital hilft der Bank, solche Entwicklungen zu tragen.
Diese Risiken sind auch der Hintergrund der regulatorischen Eigenmittelvorgaben. Banken müssen für ihr Kreditgeschäft ausreichend Eigenmittel halten. Eine Bank kann ihr Kreditgeschäft deshalb nicht beliebig Ausweiten, sondern braucht dafür eine tragfähige Kapitalbasis. So entsteht der Spielraum, langfristige Finanzierungen verantwortungsvoll einzugehen.
Eigenkapital als Grundlage für unsere Aufgabe
Für die Freie Gemeinschaftsbank ist Eigenkapital kein Selbstzweck. Eine solide Eigenkapitalbasis ist vielmehr die Voraussetzung dafür, dass wir unsere Aufgabe langfristig erfüllen können. Wir nehmen Gelder entgegen, vergeben Kredite und finanzieren sinnvolle Vorhaben in der Realwirtschaft. Gerade weil wir langfristige Finanzierungen ermöglichen wollen, braucht es eine tragfähige Basis. Eigenkapital schafft diese Grundlage. Es stärkt die Bank von innen heraus und gibt ihr den nötigen Spielraum, auch in Zukunft verantwortungsvoll handeln zu können. So wirkt Eigenkapital meist im Hintergrund, als stille Grundlage dafür, dass die Freie Gemeinschaftsbank ihre Aufgabe nachhaltig erfüllen kann.