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E-Banking

«Menschwerdung durch Schönheit» – Rudolf Steiner Schule St. Gallen

August 2025

Von Hildegard Backhaus Vink

Vor über 50 Jahren wurde die Rudolf Steiner Schule St. Gallen gegründet. Seit Anfang der 1990er Jahre residiert sie in eigens für sie errichteten Gebäuden am Stadtrand von St. Gallen. Die Freie Gemeinschaftsbank unterstützt die Rudolf Steiner Schule St. Gallen mit Darlehen.

Gleich an der Bushaltestelle «Obere Waid» sieht man sich einem imposanten Gebäude gegenüber: Hinter den Büschen erhebt sich ein mächtiger Bau mit einem tiefgezogenen Schieferdach, das von der linken Seite herkommend eine runde schützende Gebärde macht und nach rechts in eine kleinteilige Form ausläuft. Alfred Frischknecht, Gründungsmitglied der Rudolf Steiner Schule St. Gallen und 14 Jahre im Vorstand des Schulvereins, hat als Künstler zusammen mit dem Architekten Niklaus Hufenus diese «bewegte Hülle» für die Kinder und Jugendlichen erbaut. «Für die Gestaltung der Klassenzimmer liess Alfred Frischknecht die Lehrer:innen das ‹Wesen› und die Charakteristik ihrer Schulklassen in Lehm plastizieren», berichtet Schulleiterin Heidrun Weber, als wir im Büro sitzen. «Daraus entwickelte er die architektonische Form.» Bereits hier spinnt sich ein Faden zur Freien Gemeinschaftsbank: Ab 1987 war Alfred Frischknecht über 20 Jahre lang im Verwaltungsrat der Bank tätig, davon zwei Jahre als Präsident.

Neues Beitragsmodell
«Der Bau wurde mit einer enormen Einsatzkraft der Eltern erbaut», erzählt Heidrun Weber. «Heute wäre das so nicht mehr möglich. Unsere Schuleltern sind in der Regel Doppelverdiener und haben wenig Zeit für Elternarbeit.» Doppelverdiener sind sie vor allem deshalb, weil die Rudolf Steiner Schule St. Gallen als einzige Steinerschule in der Schweiz einen einkommensunabhängigen Elternbeitrag erhebt: Jede Familie zahlt – unabhängig von ihrer Einkommenssituation – den gleichen monatlichen Betrag für ihr Kind, Geschwisterkinder bekommen Rabatt. «Wir waren vor acht Jahren in einer schwierigen finanziellen Situation. Wie alle Steinerschulen in der Schweiz erhalten wir keine öffentlichen Gelder. Mit den damaligen einkommensabhängigen Beiträgen konnten wir kein verlässliches Budget erstellen», so Heidrun Weber. «Deshalb haben wir auf einkommensunabhängige Schulbeiträge umgestellt.» Gab es da Widerstände? «Wir haben im Vorfeld viel mit den Vereinsmitgliedern gesprochen, die kritisch eingestellt waren», antwortet Heidrun Weber. «Am Abstimmungsabend sind die Skeptiker:innen dann ferngeblieben, um den Weg zum neuen Modell frei zu machen.» Es war ein grosser Entscheid, der sich bis zum heutigen Tag bewährt hat, findet sie. Finanzschwache Familien können über den Stipendienfonds des Fördervereins der Rudolf Steiner Schule St. Gallen Unterstützung erhalten. 

Qualität an erster Stelle
Wir laufen durch die Schule und tauchen gleichsam in ein «Farbbad» ein: Jedes Klassenzimmer ist farbig lasiert, die Gänge und das Foyer leuchten in mehreren Farben. Spiralförmige Treppen führen rechts und links des Foyers auf zwei Stockwerken durch das Gebäude, auf der einen Seite die Klassen der Unterstufe, auf der anderen Seite die der Oberstufe. Der grosse Festsaal und der Eurythmiesaal liegen zentral über dem Foyer und verbinden so alle Klassenstufen. Die Türen stehen offen, man hört Lehrer:innen und Schüler:innen im Unterricht. «Bist du eine neue Lehrerin?», fragt mich ein Junge mit selbstgemachter Filzpuppe. Ich verneine und lobe seinen gelungenen Zauberer aus grauem Filz. 

«Für uns hat die Qualität unserer Schule oberste Priorität», erklärt Heidrun Weber. «Nur wenn wir Qualität bieten, können wir mit unserer Schule überzeugen und haben eine Strahlkraft.» Dazu gehört die umfangreiche ästhetische Bildung mit zahlreichen künstlerischen und handwerklichen Fächern, aufwendigen Theaterprojekten, dem Musiklager mit abendlichen Konzerten in einer Kirche, aber auch das Erleben des nächtlichen Sternenhimmels im Sternkundelager oder die Klavierbegleitung in der Eurythmiestunde anstelle einer CD. «Das alles schafft bleibende Eindrücke in der Seele und hilft bei der Entwicklung des Innenlebens», ist Heidrun Weber überzeugt. «Wir versuchen, den Kindern einen Raum zu bieten, wo sie ihr Schönheitsgefühl kultivieren können – auch als Gegengewicht zu unserer digitalen Welt.» Denn: «Letztendlich geht es um die Menschwerdung. Ich kenne keine andere Pädagogik, die das so konsequent von Jahr zu Jahr anlegt», betont Heidrun Weber, als wir zum Abschluss im Foyer zwischen den quirligen Schüler:innen stehen. 

Erklärt: Rudolf Steiner Schule St. Gallen

Das Angebot der Rudolf Steiner Schule St. Gallen umfasst eine breite Spanne von Spielgruppe über Kindergarten, Primar- und Mittelstufe bis zur 12. Klasse. Bis zur 6. Klasse ist eine Nachmittagsbetreuung möglich. In der Mensa wird biologisches und biologisch-dynamisches Essen angeboten.

Um den Schüler:innen möglichst viele Naturerlebnisse zu bieten, wird ein Tag pro Woche in der Elementarstufe (Kindergarten bis 2. Klasse) im nahegelegenen Wald unterrichtet. Geplant ist eine jahrgangsübergreifende «Outdoorklasse», die auch stundenweise besucht werden kann. Bis zur 10. Klasse ist die Schule handyfrei. 

Nach der 12. Klasse erhalten die Schüler:innen den Abschluss der Integrativen Mittelschule IMS-F, der den Besuch von höheren Fachschulen und Fachhochschulen ermöglicht. Als Besonderheit bietet die Rudolf Steiner Schule St. Gallen das internationale Certificate of Steiner Education (CSE) an, das von zahlreichen Fachhochschulen und Universitäten in der Schweiz, Deutschland und Österreich anerkannt wird. Für das CSE müssen die Schüler:innen in der IMS eine Reihe von extra Aufgaben und Arbeiten absolvieren. Um die Qualität zu gewährleisten, wird die Beurteilung stets im Vier-Augen-Prinzip vorgenommen. 

Zurzeit hat die Rudolf Steiner Schule St. Gallen 138 Schüler:innen. Einige Klassen werden als Doppelklasse unterrichtet, so beispielsweise die erste und zweite Klasse. Entscheidungsorgan der Schule ist der Schulführungskreis, bestehend aus der Schulleitung und fünf Lehrkräften aus Unter- und Oberstufe. Das Kollegium fungiert als pädagogisches Beratungsorgan.