Adresse

Freie Gemeinschaftsbank 
Genossenschaft
Meret Oppenheim-Strasse 10
4053 Basel

Postadresse:
Postfach
4002 Basel

So finden Sie uns

Für Ihre Zahlungen

BIC/SWIFT: FRGGCHB1XXX für Zahlungen aus der Schweiz und EUR-Zahlungen aus dem Ausland.
BLKBCH22XXX für alle anderen Zahlungen aus dem Ausland (mehr Informationen).
Instituts-Identifikation (IID): 8392
UID: CHE-103.760.390
 

Öffnungszeiten

Montag
9 bis 12 Uhr, nachmittags geschlossen

Dienstag bis Donnerstag
Vormittags geschlossen, 14 bis 17 Uhr

Freitag
9 bis 12 Uhr, nachmittags geschlossen
 

An folgenden Tagen ist die Bank geschlossen:
2. Januar - Basler Fasnacht: Mittwoch Nachmittag - Karfreitag - Ostermontag - 1. Mai - Auffahrt - Freitag nach Auffahrt - Pfingstmontag - 1. August - 25. Dezember - 26. Dezember
 

E-Banking

«Unser Haus ist eine Hülle für experimentelle Ideen» – La Maison-Matrice

April 2024

Von Hildegard Backhaus Vink

In Crémines bei Moutier befi ndet sich ein besonderes Haus: La Maison-Matrice. Das Konzept: ein offenes Haus für Künstler:innen und andere kreative Menschen, das sich permanent weiter entwickelt, als vorübergehender oder dauerhafter Arbeitsort, als Kreativwerkstatt und Veranstaltungsort, als Experimentierraum für Schenkökonomie, Gemeinschaft und Kunst aller Art. 

«Matrice heisst ‹Matrix› im Sinne einer kulturellen, politischen oder sozialen Umgebung, in der sich etwas entwickelt, aber es heisst auch ‹Gebärmutter›», erklärt uns Malcolm Braff, als wir im grossen Gemeinschaftswohnzimmer des Maison-Matrice sitzen. Sofas, Stühle und Teppiche sind geschenkt und bunt zusammengewürfelt, ein niedriges, altes Sideboard dient als Couchtisch, im schmiedeeisernen Chéminee prasselt das Feuer. «Unser Haus soll neuen Keimen eine Hülle bieten, die hier heranreifen und sich entwickeln dürfen. Gleichzeitig bietet diese Hülle Nahrung und Anregung.» Diese Keime sind kreative und experimentelle Ideen aller Art: künstlerische Initiativen, wissenschaftliche und philosophische Forschungsarbeiten, kunsthandwerkliche Projekte – den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. «Jede Aktivität, die Verbindung schafft und offenbart – auch zwischen Menschen –, und sich nicht den Marktmechanismen unterwirft, ist für uns Kunst», erklärt Malcolm Braff dazu.

Experimenteller Freiraum
Das Konzept von La Maison-Matrice ist in gewissem Sinne die Konzeptfreiheit: Das Haus bietet einen grösstmöglichen experimentellen Freiraum für Initiativen aller Art und für alle Menschen, die sich davon angesprochen fühlen. Wichtig ist, dass die Aktivitäten auf der Basis des Teilens und Schenkens geschehen. «Zu uns kommen Menschen, die sich vorübergehend hierher zurückziehen und als ‹artists in residence› etwas entwickeln möchten, aber auch Menschen, die dauerhaft hier wohnen, um das Projekt mitzutragen», erzählt Claire Huguenin. «Die Kostenbeiträge sind frei – genauso wie das Engagement für das Haus – und in die Verantwortung der Menschen gestellt». Einzig die ständigen Bewohner:innen zahlen eine marktübliche Miete.

Schenkökonomie als Ausgangspunkt
Vor fünf Jahren hatte das Musikerehepaar Malcolm Braff und Claire Huguenin – er Jazzpianist und Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, sie Jazzsängerin und studierte Biologin – mit vier anderen Menschen die ehemalige Sägefabrik gemietet. Vor einem Jahr konnte der 2019 von ihnen mitgegründete Verein La Maison-Matrice das Haus kaufen, «dank der Freien Gemeinschaftsbank», wie beide betonen. Seitdem fanden sich eine Reihe von jungen ständigen Bewohner:innen in dem Haus zusammen.

«Wir sind keine Wohngemeinschaft», fährt Claire Huguenin fort. «Bei uns herrscht völlige Freiheit, ob und wie wir etwas zusammen unternehmen oder gemeinsam essen. In unserem Engagement für das Projekt sind wir aber vereint.» Es gibt vier Wohnungen und weitere Einzelzimmer, im Erdgeschoss entsteht ein grosses Co-Working-Atelier, ebenso im Dachgeschoss. «Die Ateliers werden später auch für Veranstaltungen geöffnet. Wir möchten so viel wie möglich von unseren Aktivitäten teilen und das, was hier entsteht, anderen Menschen schenken», begeistert sich Claire Huguenin. «Unser Ausgangspunkt ist immer der Gedanke der Schenkökonomie: Wir schenken etwas der Allgemeinheit und wer etwas dazu beitragen möchte, dass das Projekt weiterlebt – Zeit, Geld, Arbeit, Wissen, Dinge oder was auch immer – ist willkommen. Wir praktizieren damit ein Modell der Kooperation und Kollaboration jenseits der Marktökonomie.»

Die Idee des grösstmöglichen Teilens wird auch beim Wohnraum umgesetzt: «Wir versuchen, unsere privaten Räume auf ein Minimum zu reduzieren und unseren Wohnraum weitestgehend zu teilen», erklärt Malcolm Braff. «Das trägt auch dazu bei, Ressourcen zu schonen.»

Zurzeit ist La Maison-Matrice in mehrerer Hinsicht noch eine Baustelle. Alle derzeitigen Bewohner:innen bringen sich mit ihren vielfältigen Fähigkeiten in die Gestaltung und den Ausbau des Hauses ein. «Wenn jemand eine Aufgabe sieht, gehört sie auch zu ihm, weil er das Auge hatte, sie zu sehen, und die Fähigkeit, sie zu übernehmen oder sich für sie verantwortlich zu fühlen», ist Malcolm Braff überzeugt. Kreativität und Initiative, Kollaboration und Beziehung – La Maison Matrice ist ein Ort, an dem Vieles erprobt werden kann. 

La Maison-Matrice in Zahlen

Wohn- und Arbeitsfläche in Quadratmetern
500
privater Wohnraum in % der gesamten Wohnfläche
unter 50
Bau- und Renovationskosten in Hunderttausend Franken
425
davon Eigenleistungen, Eigenmittel und Stiftungsgelder in Hunderttausend Franken
263
Mitglieder im Verein
über 300
Offene Chatgruppen für Hausangelegenheiten und Diskussionen
17
«Artists in residence» pro Jahr durchschnittlich
200
Kulturelle Events 2023
113

La Maison-Matrice wird von einem gemeinnützigen Verein geführt. Zukünftig soll das Haus einer Stiftung übertragen werden, damit die gemeinwohlorientierte Nutzung dauerhaft erhalten bleibt und das Haus nicht verkauft werden kann. Der Verein ist formal Ansprechpartner für die Finanzen, den Unterhalt, das Bauprojekt, die Vermietungen und die Gestaltung der Aktivitäten. Er soll als Beirat in der Stiftung vertreten sein. Der Verein La Maison-Matrice hat 300 Mitglieder, die sich auf unterschiedliche Weise einbringen. Alle Entscheide in Bezug auf das Haus werden von einem Gremium getroffen, das aus den Bewohner:innen und weiteren interessierten Menschen besteht. Jede:r ist zu den Sitzungen eingeladen und kann mitentscheiden. Damit wird eine breitestmögliche Partizipation und horizontale Struktur realisiert. Das Haus lebt im Wesentlichen vom Initiativprinzip: Jede:r kann kommen und sich einbringen, dort wohnen und Projekte verfolgen, so lange es keine kommerziellen, sondern gemeinschaftsorientierte Aktivitäten sind. 

La Maison-Matrice ist ein Haus, das durch Schenkökonomie lebt: Spender:innen unterstützen das Haus mit kleineren oder grösseren Beträgen, die Menschen, die dort wohnen und Raum «geschenkt»  bekommen, können ebenfalls etwas schenken, sei es ein Kunstprojekt, einen Arbeitseinsatz, Geld oder etwas anderes.

Das Haus mit Umschwung bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Gestaltung: Erdgeschoss und Dachgeschoss werden zurzeit zu Ateliers ausgebaut, die gleichzeitig auch Veranstaltungsorte sein werden. Verschiedene Schuppen und Nebengebäude werden als Werkstatt, als spezieller Rückzugsort oder Umsonstladen genutzt. Im Anbau eines Schuppens entsteht das kleine Kino «Cinematrice» mit Fenstern aus Abbruchhäusern. 

Rund um das Haus soll ein Permakulturgarten mit verschiedenen Sitzplätzen angelegt werden, vor dem Haus befindet sich eine kleine Bühne für Aufführungen in einem Schuppen. Dem Verein ist es ein grosses Anliegen, das Haus so ökologisch wie möglich zu gestalten. Die vorhandene Ölheizung wurde im letzten Jahr abgestellt, seitdem wird eine Solarthermieund Photovoltaik-Anlage auf dem Dach in Kombination mit einer zentralen Holzheizung angelegt. Die Kupferpaneele für die Solarthermie-Anlage bauen die Vereinsmitglieder selbst. Das Haus befindet sich in der Gewerbezone mit entsprechenden Lärmbestimmungen, so dass Konzerte möglich sind. Den Vereinsmitgliedern ist es wichtig, Rücksicht auf die Nachbar:innen zunehmen und gute Beziehungen im