Von Hildegard Backhaus Vink
Brigitte Gisler ist per Jahresende nach 19 Jahren in der Bank in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Über sechs Jahre lang war sie Mitglied der Geschäftsleitung der Freien Gemeinschaftsbank.
Wenn du auf die Zeit bei der Freien Gemeinschaftsbank zurückblickst – was war dir bei deiner Arbeit wichtig?
Brigitte Gisler: Als gelernte Bankkauffrau wollte ich 2007 im Zuge einer beruflichen Neuorientierung gerne wieder in einer Bank tätig sein. Nur gab es keine Bank, bei der ich wirklich hätte arbeiten wollen – bis ich das Stelleninserat der Freien Gemeinschaftsbank sah. Das passte genau zu meinen Werten. In den 19 Jahren meiner Tätigkeit für die Freie Gemeinschaftsbank war mir immer wichtig, wofür die Bank steht: ein werteorientiertes Bankwesen. Was mich inspiriert hat, war die Tatsache, dass ich mitgestalten konnte, weil die Freie Gemeinschaftsbank auf dem Weg ist. Neben den Kund:innen waren mir der Umgang mit den Mitarbeitenden und die Gemeinschaftsbildung wichtig. Wenn ich mit den Kund:innen und Mitarbeitenden nicht so hätte umgehen und individuelle Lösungen entwickeln können, wäre ich am falschen Ort gewesen.
Was ist für dich die Freie Gemeinschaftsbank?
B. G.: Für mich ist die Freie Gemeinschaftsbank eine der wichtigsten Banken der Schweiz. Ich bin sehr glücklich, dass sie existiert. Ich würde mir wünschen, dass die Freie Gemeinschaftsbank den Weg aus der Nische findet. Wir sind jetzt gut dafür aufgestellt.
Wofür hast du dich besonders eingesetzt?
B. G.: Zunächst einmal habe ich mich für die Strukturen und Prozesse bis hin zur Migration auf ein neues Banksystem eingesetzt, dann insgesamt für eine Professionalisierung, für die Realisierung unseres Bauprojekts und den Umzug. Der Umzug war ein grosser Schritt, der vieles verändert hat. Danach mussten wir viel anpassen. Besonders in den letzten Jahren als Mitglied der Geschäftsleitung konnte ich viel bewegen.
Was hat dich in der täglichen Arbeit motiviert?
B. G.: Mich haben die Gemeinschaft und die gemeinsamen Ziele motiviert – und die Sinnhaftigkeit. Ich habe immer gewusst, wofür ich morgens zur Arbeit gekommen bin. Hier gibt es keinen Konkurrenzkampf um Aufstieg und Karriere, auch als Frau musste ich nie kämpfen oder gar besser sein als die Männer.
Worüber hast du dich besonders gefreut?
B. G.: Zurückblickend freue ich mich sehr darüber, wo wir heute stehen und dass wir ein harmonisches Wachstum geschafft haben. Auch dass es uns gelungen ist, ein neues Bankgebäude zu realisieren und auf diese Weise sichtbar zu werden, freut mich sehr.
Was hast du als herausfordernd empfunden?
B. G.: Wenn ich ehrlich bin: Die zwischenmenschlichen, sozialen Themen sind herausfordernd. Alles andere – die Regulatorien, das neue Banksystem – kann man bewältigen. Das Soziale kann man nicht einfach so regeln, das braucht intensive Arbeit, vor allem, weil wir uns entschieden haben, immer im Gespräch zu sein und Konflikte nicht hierarchisch zu regeln. Wenn man das so gestaltet und jeder seine Individualität leben kann, ist es herausfordernd.
Was möchtest du der Bank und insbesondere deiner Nachfolgerin Viola Kirsch mit auf den Weg geben?
B. G.: Mir ist es wichtig, dass die Bank ihre Identität und ihre Werte behält und sich nicht vom Weg abbringen lässt, dass sie den Mut hat, den eigenen Weg zu gehen. Viola Kirsch wünsche ich viel Kraft und Mut und bin dankbar, dass sie das so weiterführt
«Gradlinig, klar und deutlich – und nix diplomatisch» habe ich dich, Brigitte, in meinem kurzen Grusswort anlässlich deiner letzten Weihnachtsfeier der Freien Gemeinschaftsbank im Dezember beschrieben. Seit meiner Wahl in den Verwaltungsrat im April 2017 habe ich dich eben so wahrgenommen, in all den unterschiedlichen Positionen deines Einsatzes für die Bank.
Eine Würdigung nur mit ein paar Worten am Ende einer fast zwei Jahrzehnte dauernden und mit wirklich viel Herzblut geleisteten Mitarbeit kann sicherlich nicht jedem Anspruch gerecht werden. So danke ich dir einfach,
auch im Namen des gesamten Verwaltungsrates, ganz herzlich!
Für deine Lebenszeit und -kraft, die du uns als Bankgemeinschaft zur Verfügung gestellt hast.
Für das selten oder nie Abweisend- oder Verärgert-Sein.
Für die Sonne auf dem Gesicht und in deiner Ausstrahlung, auch wenn es draussen oder auch innen eher nach zweifelhaftem oder schlechtem Wetter ausgesehen hat.
Für deine direkte und ehrliche Art, die mich und uns beeindruckt hat.
Und für die Unterstützung, die ich und wir im Verwaltungsrat durch dich erhalten haben. Ich wünsche dir für das nun Kommende, dass sich all
das, was auf deiner «Wunschliste für den dritten Lebensabschnitt » steht, realisieren wird. Und bin mir sicher, dass ich dieser Liste nichts beizufügen hätte. Alles Gute, jederzeit auf ein Wiedersehen (zum Beispiel als Gast an unseren Veranstaltungen?) und lieber Gruss
Rafael Spiegel, Präsident Verwaltungsrat
Für den Verwaltungsrat der Freien Gemeinschaftsbank
Brigitte Gisler
Jahrgang 1962, hat in den zurückliegenden Jahren als Mitglied der Geschäftsleitung die Freie Gemeinschaftsbank wesentlich mitgestaltet. Als Mitglied der Baukommission hat sie den Neubau an der Meret Oppenheim-Strasse realisiert. Sie hat Abteilungen umstrukturiert, Verbesserungen eingeführt und Prozesse umgesetzt. Ihre wertvollen Ideen für die Bank und ihr Engagement für die Werteorientierung haben die Weiterentwicklung der Bank nachhaltig gefördert.
Ihre beruflichen Stationen in der Bank verliefen von der Sachbearbeitung Kreditadministration über die Leitung Kreditadministration bis zur Geschäftsleitung.
Für die Zeit nach ihrer Pensionierung hat sie sich vorgenommen, mehr Zeit mit ihrem Partner und ihren Enkelkindern zu verbringen und zu reisen.