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Ein Traum wird wahr – Genossenschaft Interamenta

April 2025

Von Hildegard Backhaus Vink

Die Genossenschaft Interamenta hat vor zwei Jahren den Schartenhof in Gempen gekauft und zu einem Begegnungsort für Wohnen, Auszeiten, Ferien, Feste und Workshops umgestaltet.

Wenn man von Dornach zum Gempen wandert, fällt kurz vor dem Aufstieg zumGempen unterhalb der Schartenfluh ein alleinstehendes Haus mit stilvoller Holzverkleidung auf. Modern und luxuriös mutet es an – und war geheimnisvollerweise viele Jahre lang nur mit heruntergelassenen Rollläden zu bewundern. Das Rätsel lüftet sich, als ich zum ersten Mal das Haus betrete und die Geschichte des Schartenhofes
erfahre. 

Der Traum 
«Ich wohne auf dem Baumgartenhof in der Nähe und bin hier viele Jahre lang vorbeigefahren», beginnt Andreas Renz, Ideengeber der Genossenschaft Interamenta, zu erzählen. «Jedes Mal, wenn ich vorbei kam, dachte ich: Wenn ich jemals ein Projekt zum gemeinsamen Wohnen und Arbeiten gründe, dann müsste es genau so ein Haus sein: in vollkommener Ruhe und Abgeschiedenheit und mit unverbaubarer Aussicht.»

Die Geschichte kommt ins Rollen, als Andreas Renz eines Tages mit Gregor Vögtli Holz von Hochwald zum Baumgartenhof transportiert. Als sie den Schartenhof passieren, äussert Andreas Renz erneut
seinen Wunschtraum – und trifft auf unerwartete Resonanz. Gregor Vögtli nimmt den Ball auf und macht sich gleich am nächsten Tag daran, die Besitzer ausfindig zu machen. Er stösst auf die Immobilienfirma HIAG, die das Haus von ihrem verstorbenen Geschäftsleiter, einem Basler Unternehmer und Kunstsammler, übernommen hat. «Ein Teil des Hauses steht doch offensichtlich leer – kann man es mieten?» fragt Gregor Vögtli am Telefon. «Nein», erhält er zur Antwort, «aber es gibt eine andere Möglichkeit.»  

… wird wahr
Die andere Möglichkeit eröffnet sich im Gespräch: Der Genossenschaft Interamenta wird der Schartenhof zum Kauf angeboten. «Das war völlig verrückt», beschreibt Andreas Renz den Moment, «mein Traum wurde wahr! Wir konnten es fast nicht glauben.» Die Genossenschaft hatte sich bereits 2018 auf Initiative von Andreas Renz gegründet, um für ein Hausprojekt «parat» zu sein, wie er sagt. Anliegen der Genossenschaft Interamenta – der Name bezeichnet die Holzbaukonstruktion in einem Schiffsrumpf – ist gemeinsames Wohnen und Arbeiten auf dem Gebiet der Bewusstseins- und Körperarbeit sowie Gemeinschaftsbildung. Die Genossenschaft versammelt Künstler:innen, Handwerker:innen, einen Betriebsökonomen und Menschen, die im pädagogischen sowie im Coaching- und Workshop-Bereich tätig sind. 

In Windeseile
Nach dem Gespräch geht es rasant weiter. Die Genossenschaft ergreift die Chance und befindet sich unmittelbar in einem Verkaufsprozess. «Uns wurde ein angestrebter Kaufpreis von 2,5 Millionen Franken mitgeteilt», erzählt Simon Grossen, Finanzverantwortlicher des Projektes. «Wir haben uns Gedanken gemacht und 2 Millionen gesagt – und den Zuschlag erhalten!» In Windeseile bringt die Genossenschaft die erforderlichen Eigenmittel in ihrem Umkreis zusammen. «Mit der Freien Gemeinschaftsbank hatten wir eine Finanzpartnerin gefunden, die zu unseren Werten passt und unser Projekt versteht», sagt Simon Grossen. «Und handwerklich machen wir hier das meiste selbst», ergänzt Andreas Renz, «das hilft uns dauerhaft, die Kosten zu senken.» 

Der Schartenhof als Begegnungsort
Heute leben Simon Grossen und Nicole Grossen permanent hier, Andreas Renz ist auf dem Baumgartenhof in der Nachbarschaft geblieben. «Eine Reihe von Genossenschaftsmitgliedern hat auch schon temporär für eine Auszeit hier gewohnt», berichtet Nicole Grossen. Die ausgebildete Lehrerin ist Hausherrin und erfüllt mit Herzblut ihre Rolle als Gastgeberin. Sie kümmert sich um Haus und Vermietungen, empfängt die Gäste und kocht auf Wunsch für sie. Der Schartenhof ist beliebt bei Feriengästen aus dem In- und Ausland – bis hin nach Australien – und bietet Raum für Workshops und Seminare im Bereich Yoga und Meditation. «Neulich hatten wir einen Tango-Workshop hier zu Gast. Und Tofu zum Selbermachen wurde auch schon einmal angeboten», schwärmt Nicole Grossen. «Und wenn du einmal wieder auf einer Wanderung vorbeikommst, kannst du einfach bei uns anklopfen.»

Erklärt: Schartenhof

Die Ursprünge des Schartenhofes gehen zurück auf eine Futter- und Weidescheune für die Dreifelderwirtschaft, die seit dem 16. Jahrhundert belegt ist und als Besonderheit einen Käsekeller für Alpkäserei besass. 1807 wurde der Hof gegründet und hatte wechselnde Besitzer:innen, darunter 1914 bis 1922 den Johannesbau-Verein, den Bauverein des Goetheanum.

1963 kaufte Gustav Grisard, Geschäftsleiter der HIAG, den Hof. Er liess einen neuen Stall bauen und den alten Ökonomieteil 2006 bis 2007 als Ferienhaus umgestalten. Der immer noch vorhandene Käsekeller wurde als Weinkeller genutzt. Gemäss Heimatschutz wurde die Modernisierung behutsam mit Holzverkleidung durchgeführt und eine Holzheizung für das ganze Haus eingebaut. Die Landwirtschaft wurde verpachtet.

2022 hat die Genossenschaft Interamenta den Schartenhof übernommen. Ihr Anliegen ist, das Haus ökologisch und ressourcenschonend als Gemeinschafts-, Ferien- und Begegnungsort zu betreiben. Vom Umschwung konnte die Genossenschaft nur die unmittelbare Parzelle der Liegenschaft übernehmen. Die umliegenden
landwirtschaftlichen Parzellen wurden an den Nachbarbauern verkauft. Neben Gästezimmern gibt es auch einen Raum für Seminare oder Feste im Erdgeschoss und einen Ort für Meditations- und Yoga-Sessions unter dem Dach.