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E-Banking

Vom Hof in die Stadt – Bio26

April 2026

Von Hildegard Backhaus Vink

In Freiburg i. Ü. existiert seit über drei Jahren ein besonderer Bioladen mit Bistro: Die Genossenschaft Bio26 bietet Produkte von Bauernbetrieben aus der Region an, die den Preis selbst bestimmen.

Am Anfang stand die COVID-Krise: Urs Gfeller, Bio-Gemüsebauer aus Sédeilles, konnte sein Gemüse nicht mehr verkaufen, die Wochenmärkte waren geschlossen worden. «Die Supermärkte dagegen waren geöffnet. Das fand ich ungerecht», empört sich Urs Gfeller noch heute. «Und ich dachte sofort: Wir brauchen auch einen Laden, eine Art überdachten Markt.» Urs Gfeller rief sechs befreundete Bäuer:innen an und unterbreitete ihnen seine Idee: ein Laden für lokale Produkte, der wie ein Marktplatz funktionieren solle. Die Bäuer:innen bestimmen den Preis selbst, den sie vollumfänglich als Einnahme erhalten. Für Betrieb und Infrastruktur des Ladens, der als Genossenschaft geführt werden soll, sollen bis zur Höhe des aktuellen Wochenmarkt-Preises 30 Prozent aufgeschlagen werden. 

Unterstützung auf allen Ebenen
«Alle waren sofort von meiner Idee begeistert», berichtet Urs Gfeller. Die sieben Gründungsmitglieder entschieden sich für die Umsetzung. Auf der Suche nach einem Ladenlokal in Freiburg stiessen sie auf einen passenden, zentral gelegenen Gewerberaum. Der Besitzer des Ladenlokals wollte schnell verkaufen, und zwar für 1 Million Franken. «Da mussten wir innerhalb kürzester Zeit rund 300‘000 Franken Eigenkapital aufbringen», erzählt Urs Gfeller. «Also haben wir unsere jeweilige Kundschaft angeschrieben – insgesamt 300 bis 400 Leute – und eine Infoveranstaltung organisiert. » «Ich hatte mit 30 Leuten gerechnet», wundert sich Urs Gfeller noch heute, «und es kamen 120!»

Direkt nach der Veranstaltung hatten sie mündliche Zusagen über ca. 200‘000 Franken, zwei Wochen später waren die erforderlichen 300‘000 Franken zusammen. Der Kaufvertrag konnte unterzeichnet werden. «Ohne die Hypothek von der Freien Gemeinschaftsbank hätten wir das alles nicht realisieren können. Die Bank hat das Zukunftsweisende in unserem Konzept gesehen und uns intensiv begleitet», sagt Urs Gfeller rückblickend und ergänzt: «Das Menschliche spürt man in eurer Bank.» 

Danach ging es mit Riesenschritten voran: Die Genossenschaft wurde gegründet und umfasste nicht nur die Produzent:innen, sondern auch Konsument:innen und Interessierte. Der Laden wurde eingerichtet, die Strukturen aufgebaut. Bereits im Dezember 2022, anderthalb Jahre nach  der Initialidee, eröffnete Bio26 mit einem umfangreichen Sortiment an lokalen Produkten und einem Bistro. «Es ist ein bisschen so, als käme man direkt auf den Hof, aber mitten in der Stadt Freiburg», beschreibt Urs Gfeller die Atmosphäre. 

Fülle und Vielfalt
Als wir den Laden betreten, sind wir von der Fülle und Vielfalt überrascht: mehrere Körbe mit Brotsorten, grosse Säcke mit Mehl, verschiedene Pasta- und  etreidesorten, Tomatensaucen und Ratatouille, Nüsse und Kerne verschiedenster Art, ein grosses Kühlregal mit Milchprodukten und tiefgefrorenem Fleisch, eine Käsetheke mit vielen Sorten Käse aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch, eine ganze Palette von Teesorten, Brotaufstrichen und Marmeladen – darunter kreative Kompositionen wie Grüne Tomaten-Aufstrich, Waldmeister- und Löwenzahnblüten-Marmelade – sowie ein beeindruckender Kühlraum mit bunt gemischtem saisonalen Gemüse und Früchten. «Wir haben sogar lokales Quinoa, lokale Kichererbsen und Forellen von einem Alpbetrieb », berichtet Vorstandsmitglied Helene Zenhäusern stolz. «Man kann sich von unseren Produkten komplett ernähren.» 

Zu 94 Prozent werden lokale Lebensmittel angeboten, ergänzt durch Produkte von anderen Schweizer Produzent:innen und befreundeten Kooperativen aus dem Ausland. «Wir machen ein paar wenige Kompromisse, damit die Kund:innen einen Grossteil ihrer Einkäufe bei uns erledigen können», erklärt Helene Zenhäusern. «So beziehen wir Zitrusfrüchte und Avocados von einer Genossenschaft in Kalabrien – aber nur, wenn sie dort Saison haben. Und wir führen Kaffee und Schokolade, die von kleinen Betrieben aus unserer Region verarbeitet werden.» 

Die Bistro-Ecke mit blauer Wand und Holzmöbeln lädt zum Verweilen ein. Es gibt einen täglich wechselnden Mittagstisch, kleine Snack-Mahlzeiten, Kuchen – alles hausgemacht –, dazu Kaffee, Tee und andere, ebenfalls hausgemachte Getränke. «Am Anfang hatten wir wenig Ahnung davon, einen Laden und ein Bistro zu führen», räumt Urs Gfeller ein. «Wir mussten Lehrgeld zahlen und haben immer wieder umstrukturiert, zuletzt nach einem umfassenden Coaching.» Sein Fazit: «Wichtig ist das Soziale. Man muss sich mit Leuten umgeben, die die Idee mittragen und dazu passen. Ohne die Gemeinschaft sind wir nichts.»

Erklärt: Bio26

Der Name «Bio26» bezieht sich auf die Telefon-Vorwahlregion 026: Aus diesem Einzugsgebiet rund um Freiburg werden 94 Prozent der – über das Jahr gerechnet – mehr als 1000 Produkte im Laden angeboten. Von den über 300 Bio-Betrieben in der Region sind ca. 70 im Laden vertreten, 10 davon sind Demeter-Betriebe. Ergänzt wird das Sortiment mit 25 Produkten von Schweizer Produzent:innen aus anderen Kantonen und einer befreundeten Kooperative aus Kalabrien. 

Die Genossenschaft Bio26 möchte Produzent:innen und Konsument:innen wieder näher zusammenbringen und ein Bewusstsein für die Kosten der Lebensmittelproduktion schaffen. Bei Bio26 bestimmen die Bäuer:innen den Preis, so dass das gleiche Produkt, zum Beispiel Mehl von verschiedenen Produzent:innen, unterschiedlich viel kosten kann. Die Bauernbetriebe erhalten 70 Prozent der Einnahmen. Zum Vergleich: Bei einem Grossverteiler erhalten sie ca. 30 Prozent. Auf diese Weise stellt Bio26 sicher, dass faire Preise für alle entstehen: von den Produzent:innen über den Laden bis hin zu den Konsument:innen. Beim Gemüse liegt Bio26 sehr oft unter den Bio-Preisen der Grossverteiler. 

Bio26 organisiert auch Veranstaltungen und Workshops rund um das Thema biologische Landwirtschaft und Ernährung – und «Tavolata », mehrgängige Abendmenüs mit Gastköch:innen.

Der 6-köpfige Vorstand besteht mehrheitlich aus Produzent:innen und ist für die strategische Leitung des Projektes zuständig.